PALMYRA
VERLAG
Pressespiegel
Frédéric
Lagrange
Al-Tarab
Die
Musik Ägyptens
Ägypten hat in den letzten 200 Jahren eine Vorreiterolle gespielt, wenn es um die Modernisierung des arabischen Musikrepertoires ging. Deshalb ist die Darstellung der musikalischen Entwicklung des Nillandes immer auch ein wenig panarabische Musikgeschichte.Frédéric Lagrange geht in seinem Buch nicht nur auf epochale Veränderungen ein, die die Vormachtstellung der ägyptischen Musik bedingen, sondern bedenkt in den ersten zwei Kapiteln seines Buches auch die ländliche und die religiös-rituelle Musik mit der ihr gebührenden Aufmerksamkeit. Zwei Dinge gelingen Lagrange besonders gut: Zunächst versteht er es, die Grundessenz der arabischen Musik, die melodiöse Ornamentik, einfühlsam zu erklären, macht es doch genau dieses Phänomen nordeuropäischen Ohren bisweilen sehr schwer, ihr zu folgen. Mit der Fähigkeit, Melodien scheinbar unendlich improvisatorisch auszuschmücken, hängt auch der Begriff »Tarab« zusammen. Er beschreibt das psychologische und philosophische Konzept einer besonderen Ergriffenheit, die Musiker und Hörer gleichermaßen befällt. Auch die Musikauswahl auf der Begleit-CD wurde vom musikologischen Bestreben geleitet, und bietet Raritäten wie die private Aufzeichnung eines Umm-Kulthum-Konzerts in Beirut. Für Freunde der ägyptischen Musik ist das Buch wichtig.
Nach dem Start
der »Reihe Weltmusik« mit dem schönen Buch Buena Vista
– Die Musik Kubas kommt der Palmyra Verlag mit einem weiteren Werk. Der
Arabien-Spezialist Frédéric Lagrange legt mit Al-Tarab –
Die Musik Ägyptens eine umfassende und lesenswerte Darstellung der
ägyptischen Musik bis heute vor und spannt dabei den Bogen von klassischer
über ländliche Musik bis hin zu modernen Sounds und Schlagersängern
wie Amr Diab. Als Beilage gibt es eine CD. Der Band enthält auch ein
Register und ein nützliches Glossar.
Übersetzt
heißt Al-Tarab »ästhetischer Genuß« und bezieht
sich traditionsgemäß auf eine Form der gehobenen Unterhaltung
bzw. der Unterhaltung mit Kunstmusik. Al-Tarab heißt auch das Buch,
das 1998 zum ersten Mal in Frankreich unter dem Titel Musiques d’Egypt
erschien und mit seiner Informationsdichte als Standardwerk anzusehen ist.
Der Autor Frédéric Lagrange studierte Arabistik, ist Dozent
an der Universität Sorbonne in Paris und gilt als ein versierter Kenner
der arabischen Musik. Das Vorwort stammt von dem bekannten libanesischen
Musiker Rabih Abou-Khalil. Der sechzehnseitige Bilderteil mit historischen
Schwarzweißphotographien sowie das Glossar mit Transkriptionshinweisen,
Erläuterungen zu den Musikbeispielen der beiliegenden CD, Diskographie,
Bibliographie, Bildlegenden, Bildnachweis und Register runden das Werk
ab. Ausgehend von der Musikentwicklung Ägyptens unter geographischen,
politischen, gesellschaftlichen und religiösen Aspekten, gibt der
Autor vorwiegend Einblick in die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts,
die Verschmelzung der Traditionen sowie die Einflüsse der westlichen
Musik – eine wahre Informationsflut. Neben dem Flöten- und Harfenspiel
des pharaonischen Erbes, traditionellen Gesängen und der Volksmusik
ländlicher Regionen werden die wichtigsten Musikstile im geschichtlichen
Kontext dargestellt: die Kunstmusik am Hofe der Herrscher, die klassische
Unterhaltungsmusik, die Tanzrhythmen aus dem Nildelta, koptische Liturgiegesänge,
Koranrezitationen und andere religiöse Gesänge. Den umfangreichsten
Teil des Buches bilden die Kapitel über die klassische arabische Musik
und den Kunstgesang. In der Sparte klassische arabische Musik findet der
Leser detaillierte Beschreibungen verschiedener Instrumente, Spieltechniken
und Orchestertypen sowie die Bedeutung der Schallplattenindustrie.
In Themengebieten wie Kunstgesang, das Lied, der Schlager, edle Unterhaltungsmusik,
das »lange Lied« oder die Kairoer Dance Music werden viele
Künstlerpersönlichkeiten (Umm Kulthum, Muhammad Abd al-Wahhab
u.a.) portraitiert. Interessant ist die Darstellung der aktuellen Dance
Music, welche auch die modernen Tanzshows in den großen Kairoer Hotels
begleitet. Fazit: Das informative Buch ist eine musikalische Zeitreise
von den Pharaonen bis ins 21. Jahrhundert. Die vielen interessanten musikhistorischen
Wissensdetails können der orientalischen Tänzerin wertvolle Aspekte
und Hintergründe für ihre Musikauswahl liefern.
Frédéric
Lagrange geht in seinem Buch nicht nur auf epochale Veränderungen
ein, die die Vormachtstellung der ägyptischen Musik bedingen, sondern
bedenkt in den ersten beiden Kapiteln seines Buches auch die ländliche
und religiös-rituelle Musik mit der ihr gebührenden Aufmerksamkeit,
denn sie ist es, die lange Zeit ein wichtiges Reservoir für Talente
und Ideen der bürgerlich-städtischen Musik darstellte und die
– wie der Autor hervorhebt – nicht unter dem Diktat des Musikmarktes stand
und steht. Das Buch ist genau, korrekt und lesbar geschrieben. Die Musikauswahl
auf der Begleit-CD wurde vom musikologischen Höreindruck geleitet
und bietet einige Raritäten.